Geschichte
Steglitzer Lokalanzeiger PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail

Ausgabe 12 / 1957

vom 16.03.1957


 

Jubiläum eines Weltunternehmens

50 Jahre Biomalz – Gesellschaft Gebr. Patermann

Viele Berliner, die früher mit der Straßenbahn von Lichterfelde Ost nach Stahnsdorf und Klein-Machnow fuhren, erinnern sich der ausgedehnten Werk-anlagen der Biomalzfabrik auf der linken Seite der Chaussee. Biomalz, ein weltbekanntes Erzeugnis der Nahrungsmittelindustrie war nicht nur den Berlinern zu einem Begriff geworden; alle Länder kannten das Produkt, das am 1. April seinen 50. Geburtstag feiert.

Ob sich die Steglitzer noch daran erinnern, daß in der Berlineckestr. 11 die Wiege des Unternehmens stand? - -

Am 1. April 1907 nahm das Werk in der „Ed. Patermann’schen Borussia-Apotheke“ in Schöneberg ihren Anfang. Noch im gleichen Jahr siedelte die Firma nach Steglitz in die Berlinickestraße über; die Verwaltung blieb zunächst in Schöneberg. Von hier aus rollten die Pferdegespanne durch die Schlossstraße und brachten das begehrte Biomalz nach Berlin oder zum Güterbahnhof, von wo aus es in Güterwagen verladen wurde. Die Siegeslaufbahn hatte von Steglitz aus begonnen! 1909 wurde auch das Büro nach Steglitz verlegt und zwar nach der Mittelstraße 3, Ecke Schützenstraße (heute eine Ruine).

Die Nachfrage stieg so gewaltig, daß die mehrfach erweiterten Räume für die Fabrikation in Steglitz nicht mehr reichten. 1911 wurde das eingangs erwähnte Werk in Teltow errichtet. Von hier aus hatte das Biomalz als eines der hervorragendsten Malzestraktstoffe sich die Welt erobert. Neben dem Biomalz wurden Malzerzeugnisse für das Backgewerbe hergestellt.

Im Jahre 1924 wurde das Unternehmen in die Alleinregie des Mitbegründers, Myro Patermann, übernommen. Er musste als 77-Jähriger 1943 den schweren Schlag der Enteignung über sich ergehen lassen. Ein Jahr später nahm er mit seinem Schwiegersohn, Erhard Wigand, und einigen treuen Mitarbeitern die Biomalzfabrikation bei der befreundeten Firma „Kirner Vitabornwerk“ in Kirn a.d. Nahe wieder auf. Nach dem Tode des Seniorchefs im Jahre 1951 wurde das Unternehmen in eine Familien-Kommanditgesellschaft mit Erhard Wigand als Komplementär umgewandelt. Das Verwaltungsbüro befindet sich nun wieder im Bezirk Steglitz, und zwar in der Holbeinstraße 49, wo auch das gesamte Lager für Westberlin unterhalten wird. Ist schon der Name Biomalz uns allen ein Begriff, der sich ein halbes Jahrhundert lang in guter Erinnerung hält, so ist es für

 

unsere Leser besonders interessant zu erfahren, daß dieses Erzeugnis seinen Siegeslauf in Steglitz begann. Und so gratulieren wir ganz besonders dem Jubiliar und wünschen weitere Jahrzehnte des Aufbaues. Wir wünschen, daß in naher Zukunft nach unserer Wiedervereinigung das Biomalzwerk in Teltow wieder seinen Inhabern zurückgegeben wird und nach überallhin, auch nach dem Osten, seine Erzeugnisse liefern kann!

Ausgabe 42 / 1957

vom 12.10.1957


Die Geschichte eines Markenunternehmens

Aus dem Archiv der ehemaligen Steglitzer Firma Biomalz

Vor einiger Zeit berichteten wir über das goldene Jubiläum der Firma Biomalz, die zu den Welt-Markenartikelerzeugern zählt. Wir möchten heute in den Archiven des Unternehmens kramen, das in Steglitz seinen beispiellosen Aufstieg begann. Vor rund 50 Jahren waren sogenannte Stärkungspräparate wie „Sanatogen“, „Hämatogen“ u.a. bekannt und beliebt. Das Jahrhundert begann mit der Industrialisierung und der damit verbundenen größeren nervlichen und körperlichen Belastung aller Schaffenden. Der Schöneberger Apotheker Patermann erkannte beizeiten, daß hier große Entwicklungsmöglichkeiten vorhanden waren. Aus seinen Fachkenntnissen heraus wusste er, daß im Malzextrakt ein wertvolles diätisches Nährmittes vorhanden war. Er kannte aber auch die Schwierigkeit, die Zähflüssigkeit dieses Extraktes in den allgemeinen Verbrauch einzuspannen. Ob die s.Z. weitberühmte „Braunschweiger Mumme“, ein dunkles, süßes Bier aus unvergorenen sterilisierter Malzwürze, den Apotheker Anregungen für das neue Präparat gegeben hat, ist nicht klar ersichtlich. Jedenfalls kam er auf die Idee, Malzextrakt in flüssiger und tropfbarer Form in Blechdosen pasteurisiert in den Handel zu bringen. Es wurden von vornherein keine Konservierungsmittel benutzt; vielmehr sollte das neue Präparat mit Nährsalzen angereichert sein.

Bei der Suche für einen zugkräftigen Namen für das neue biologische Stärkungs- und Kräftigungsmittel stieß Myro Patermann auf den Namen „Biomalz“.

Dieser Name wurde am 6. Mai 1907 beim kaiserlichen Patentamt Berlin eingetragen. Damit war die Grundlage geschaffen für die Fabrikation von Biomalz. Am 5. Juli wurde in das Berliner Handelsregister neu eingetragen: Chem. Fabrik, Gebr. Patermann; Sitz: Friedenau; persönl. haftende Gesellschafter: Myro Patermann, Kaufmann, Friedenau, und Georg Patermann, Chemiker, Friedenau. Der dritte Bruder, Eduard Patermann, trat mit Rücksicht auf seine Apotheke nicht in die Firma ein, unterstützte

aber durch ratgebende Tätigkeiten das junge Unternehmen stark.

Die Fabrikation wurde anfangs mit einfachen Apparaten vorgenommen; das Präparat kam in Blechdosen zu 300 und 600 g in den Handel. Sie nahmen ihren Ausgang in der Borussia-Apotheke zu Schöneberg, das damals noch nicht zu Berlin gehörte. Die Büroräume befanden sich in Friedenau, Rheinstraße 52. Interessant ist, daß für die Ausstattung der Biomalzpackung und mit der Werbung der frühere Mitarbeiter Georg Räder (bekannt durch die von ihm geschaffene Bildmarke „Berliner Kindl“) betraut wurde.

Ende 1907 wurde die Biomalz-Fabrikation nach Steglitz in die Berlinickestr. 1 verlegt. Hier wurde mit der Eigenproduktion von Malzextrakt begonnen; einige Fuhrwerke wurden beschafft, die die Kisten zum Versand vor allem nach der Reichshauptstadt und zum Güterbahnhof in der Körnerstraße brachten, von wo aus sie ihre Reise nach allen Orten Deutschlands antraten. Auch das Büro in Friedenau genügte bald nicht mehr den erweiterten Ansprüche; es wurde im Jahr 1909 neu eingerichtet. Im Haus Mittelstr. 3, E. Schützenstraße.

Entscheidend für den Erfolg des guten Absatzes war die Werbung. Der Schriftsteller Ulrich Patz, ein Schwager der Brüder Patermann, trat 1910 als persönlich haftender Gesellschafter ein; er war als Werbegestalter mit guten Erfolgen für das Unternehmen tätig. Zu einem geflügeltem Wort wurde der Werbespruch: „Mein Kind, ich rate dir gut: Nimm Biomalz!“ Durchschlagenden Erfolg hatte die Werbung auf einem Berliner 6-Tage-Rennen, das als erste Veranstaltung dieser Art in den Ausstellungshallen am Berliner Zoo durchgeführt wurde. Die Rennfahrer erhielten auf den Ständen im Mittel des Rundes auf ihrer Ruhepause Biomalz; die Erzeugnisse waren in großen Kisten aufgestapelt.

Bereits im dritten Jahr der Produktion – 1910 – hatte der Umsatz die erste Million Mark überschritten. Die Steglitzer Fabrik wurde abermals zu klein. Der große Bedarf an Malzextrakt ging über den üblichen Rahmen der Hersteller weit hinaus. Als das Biomalzunternehmen einen Auftrag von 1 Mill. kg Extrakt erteilte, kam der Direktor der Lieferfirma eigens nach Steglitz, weil er annahm, der Auftrag erhielte einen Kommafehler.

(Fortsetzung folgt)

Ausgabe 43 / 1957

vom 19.10.1957


Die Geschichte eines Markenunternehmen

Aus dem Archiv der ehemaligen Steglitzer Firma Biomalz

(Fortsetzung)

Die Leitung des Unternehmens suchte nach einem geeigneten Gelände, wo nicht nur das Biomalz produziert werden sollte, sondern wo auch Malzextrakt in eigner Fabrikanlage hergestellt werden konnte. In der Nähe von Teltow entstand der moderne Klinkerbau, der bis in die Gegenwart hinein als Muster eines architektonisch glänzend gelungenen Fabrikprojektes gilt. Ausgeführt wurde der Bau von der bekannten Berliner Firma Boswau und Knauer; die technischen Einrichtungen basierten hauptsächlich auf den Plänen des Zivilingenieurs J. K. Meyer, Berlin. Das Werk hatte neben den Produktionsanlagen, Büroräumen, Garagen usw. eigene Wasserversorgung durch Tiefbrunnen, Gleisanschluss an die Industriebahn des Kreises Teltow, eigene Stromaggregate. Im Juli 1911 brannten zum ersten Male die Feuer unter den Kesseln der Fabrik; die Anlagen wurden durch den greisen Vater der Gründerbrüder, Kunstmaler Ernst Patermann, in Gang gesetzt. Es begann die Aera der „Biomalzfabrik Gebr. Patermann“ auf dem durch spätere Zukäufe auf fast 125000 qm erweiterten großen Gelände.

Im gleichen Jahre konnte eine Lizenzvertrag mit einem Schweizer Unternehmen in Bern abgeschlossen werden, dem die Versorgung mit Biomalz für die Schweiz, Frankreich, Italien, die Balkanländern und Aegypten übertragen wurde. Zunächst wurden die Fertigpräparate von Teltow bezogen; später versorgte das Teltower Werk den Lizenzbetrieb nur noch mit Malzextrakt. Nach Ausbruch des ersten Weltkrieges ging das Schweizer Werk ganz auf die Eigenfabrikation über. Die guten Erfahrungen, die mit der Lizenzvergabe gemacht wurden, führten später – 1912 und 1913 – zu weiteren Betrieben im Ausland. Die entweder von Teltow aus mit Halb- oder Fertigfabrikaten beliefert wurden oder die nach den Patermann’schen Rezepten in Fabriken nach dem Vorbild der Teltower Einrichtungen hergestellt wurden. So bestanden bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges Betriebe in Wilna (Russland) und in London.

Aber nicht nur für die Auslandsniederlassungen wirkte sich der Krieg zerstörend aus. Durch die Zwangsbewirtschaftung und den Mangel an Rohstoffen musste die Herstellung von Biomalz im Jahre 1917 eingestellt werden. Es gab ein Einheitsmalzextrakt, das über behördliche Abgabestelle den jeweiligen Firmen zugeteilt wurde. Aufgrund der hohen Vorkriegsproduktion erhielt die Firma Biomalz einen so großen Anteil, daß wenigstens der Betrieb aufrecht erhalten werden konnte.

Der unglückliche Ausgang des ersten Weltkrieges brachte mit seinen Folgeerscheinungen weitere Verschlechterungen. Zwar wurden nach 1920 allmählich die Bewirtschaftungen aufgehoben, es wurde ferner versucht, aus Hafer Malz zu gewinnen; aber die Ware war nicht das,

was die Hersteller wünschten. Und es gab ja auch noch wenig Material für die Blechverpackungen des Produktes. Dann kam die Inflation mit ihren verheerenden Folgen auf die Wirtschaft.

Nach 1923 ging es dann wieder aufwärts. Es konnten wiederum Auslandsbeziehungen aufgenommen werden; neue Erzeugnisse wie Biomalz-Bonbons und Biomalz-Schokolade wurden in den Handel gebracht und fanden gute Aufnahme in der Verbraucherschaft. Für das Bäckerhandwerk wurde ein Backmittel herausgebracht. So lief das Teltower Werk alsbald wieder auf vollen Touren: der Name Biomalz hatte wieder einen guten Klang bei jedermann und in aller Welt.

Und wieder war es der Krieg, der den jähen Aufstieg des Unternehmens – so möchte man ihn bezeichnen – fast ebenso jäh an den Abgrund brachte. Es fehlte an Rohstoffen, an Verpackungsmaterial; viele Fachkräfte rückten ins Feld. Der einzige Sohn des Inhabers, Myro Patermann jun. fiel 1941 in Russland. Wenn auch im großen und ganzen die Teltower Fabrik von größeren Bombenschäden verschont blieb, so machten die Phosphorbomben den verbliebenen Arbeitern ständig viel zu schaffen. Wenige Tage jedoch vor Kriegsende, am 22. April 1945, brach das Unglück vollends über das Werk herein. Bei Landkampfhandlungen erhielt der Siloraum zwei Granatentreffer. Wenige Tage später, nachdem die russischen Truppen das Werk nach anfänglicher Besetzung wieder verlassen hatten, drang Feuer aus einem Gebäude. Die wenigen in der Nähe befindlichen Werksangehörigen versuchten zu löschen. Es war vergeblich. Zwar konnte wegen der massiven Bauweise und dem Feuerschutz ein Teil der Fabrikationsanlagen vor der Vernichtung durch das Feuer gerettet werden; aber Vorratsschuppen, Bürogebäude und weitere Bauten wurden völlig vernichtet.

Wieder ging die Fabrikation mit bescheidenen Mitteln vor sich. Es wurde aus zugeteilten Kontingenten Graupen, Hafermehl und in bescheidenem Umfange Biomalz hergestellt. Man ging sogar an den Aufbau der Lagerschuppen und des Bürogebäudes.

(Fortsetzung folgt)

Ausgabe 45 / 1957

vom 02.09.1957


Die Geschichte eines Markenunternehmen

Aus dem Archiv der ehemaligen Steglitzer Firma Biomalz

Der Inhaber der Fabrik, Myro Patermann, war in den letzten Kriegsmonaten nach Flensburg übergesiedelt. Erst im Februar 1946 konnte er zurückkehren.Er betratsein Werk nur ein einziges Mal, weil ihm vom Betriebsrat gewissen Vorbehalte gemacht worden waren. Durch den Einsatz der früheren Mitarbeiter allerdings nahm die Fabrik einen bedingten Aufschwung. Er war jedenfalls so groß, daß die Regierung in Potsdam es für richtig fand, die Biomalzfabrik in einen volkseigenen Betrieb umzuwandeln. Am 1. Oktober wurde dieser Akt staatsrechtlich, nicht privatrechtlich vollzogen. Gegen einige Mitarbeiter wurden noch Strafprozesse in Potsdam durchgeführt.

Myro Patermann sah trotz dieser Rückschläge, ja trotz der völligen Vernichtung, sein Lebenswerk noch nicht für beendet an. Er suchte Kontakt mit Freunden in der Bundesrepublik. Der Inhaber der Kirner Vitaborn-Werke, Kirn (Nahe) erklärte sich bereit, auf dem Lizenzwege Biomalz in den ausgedehnten Fabrikationsanlagen herzustellen. Am 1. Mai bereits kam der Lizenzvertrag zustande, wonach die Herstellung und der Vertrieb für Biomalz im Bereich der Bundesrepublik in das Kirner Werk von Vitaborn verlegt wurde; die Werbung blieb in den Händen der Firma Gebr. Patermann. Das Berliner Büro befindet sich wieder im Bezirk Steglitz, in Lichterfelde. Sofort nach Aufhebung der Blockade versorgte dieser Zweigbetrieb unter dem Prokuristen Radtke und der Assistentin Feurig (sie waren beide 22 Jahre lang im Teltower Werk tätig) Westberlin mit Biomalz wie einst.

Ein neuer Aufstieg begann und setzt sich fort. Noch kennen viele aus ihrer Jugend Biomalz; sie übertragen ihr Wissen um dieses biologische Nähr- und Stärkungsmittel auf ihre Kinder und Enkel. Neben dem Biomalz in der vertrauten Blechverpackung, an der Nahe hergestellt, gibt es auch wieder das Bio-Blockmalz, das für den Berliner Vertrieb in einem Westberliner Unternehmen nach alten Rezepten hergestellt wird.

Dies ist die Geschichte eines weltbekannten Markenartikelunternehmens, das 50 Jahre lang in Familienbesitz war. Sie zeigt, was die private Initiative zu leisten imstand ist und wie sie alle Rückschläge trotz schier unüberwindlicher Schwierigkeiten ausgleicht und immer wieder nach vorn gelangt. In Steglitz begann in einem unscheinbaren Hause der glanzvolle Aufstieg; in Lichterfelde ist im Augenblick der Rastort für Westberlin, wenn auch aus zeitbedingten Gründen der Betrieb außerhalb an der Nahe weiterläuft. Nur nicht rasten! So könnte man als Ueberschrift über diesen Bericht setzen, diesen Bericht, der das Lebenswerk einer Familie umfasst.

 
Die Geschichte der Biomalz-Fabrik in Teltow PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail

Mit seiner roten Backsteinfassade gehört die Biomalz-Fabrik in Teltow zu den bedeutendsten Industriedenkmalen der Region Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf. Myro Patermann und seine Brüder schufen mit der im Juli 1911 fertiggestellten Biomalz-Fabrik Gebr. Patermann, Teltow bei Berlin einen mustergültigen Betrieb zur Produktion von Malzerzeugnissen. Mit eigenen Ländereien, Tischlerei und Schlosserei funktionierte sie autark. Die Fabrikkonstruktion in Skelettbauweise war für die damalige Zeit hochmodern und konsequent orientiert an den Erfordernissen einer effizienten und rationellen Produktion.

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Schnell gelang es den Gebr. Patermann, ihr Produkt Biomalz auf den nationalen und internationalen Märkten zu platzieren. Die rasante Markteroberung steht in direktem Zusammenhang mit der Industrialisierung. Die Beschleunigung aller Lebensbereiche, die drückenden Arbeits- und Lebensbedingungen in der modernen Industrie brachten einen neuen Bedarf an Stärkungsmitteln hervor. Die Menschen sollten fit gemacht werden für die Anforderungen der neuen Zeit. Eines dieser Präparate war der aus Gerste gewonnene Malzextrakt.

Durch den Ersten Weltkrieg, Inflation und Weltwirtschaftskrise verlor Biomalz die weit verzweigten Auslandsbeziehungen, durch Versorgungsengpässe und Zwangsbewirtschaftung drohte gar der Stillstand der Produktion. Dennoch gelang es, die Fabrik stets zu modernisieren und die Produktpalette zu erweitern. So wurden z. B. die beliebten Biomalz-Bonbons entwickelt, die bald in aller Munde waren, sowie der im Bäckereigewerbe begehrte Backzusatz Hellegold auf den Markt gebracht.

Auch für den Biomalz-Betrieb und den Menschen, die dort beschäftigt waren, brachte der Zweite Weltkrieg seine verheerenden Folgen. Viele Belegschaftsmitglieder, unter Ihnen der Sohn des Betriebsgründers Myro Patermann, waren im Krieg gefallen, die Fabrik zum Teil durch Bomben zerstört. Mit bescheidenen personellen und finanziellen Mitteln galt es, den Wiederaufbau zu bewerkstelligen.

Die anschließende deutsch-deutsche Teilung führte auch für den Betrieb zu einer Teilung. Der Fabrikbesitzer Myro Patermann wurde enteignet, sein Betrieb 1946 in Volkseigentum überführt. In Kirn/Nahe gelang es dem findigen Kaufmann für Westdeutschland einen Produktionsstandort von Biomalz zu etablieren. In der Fabrik in Teltow wurde unter dem Namen VEB Biomalz Walter Schütz die Produktion von Biomalzextrakt für den ostdeutschen Markt neu organisiert. Mit über 100 Beschäftigten wurden hier neben dem traditionellen Biomalz und den Backmischungen auch Speiseeis und Bonbons hergestellt.

Mit der deutschen Wiedervereinigung traten die Patermannerben einen langen Kampf um Rückgabe Ihrer Fabrik an. Viele Jahre fristete daher die wenig beachtete Immobilie an der Iserstraße ein wenig beschauliches Dasein. Die ungeordneten Eigentumsverhältnisse wirkten als Hemmschuh für jegliche Investitionen. Erst mit Planungssicherheit im Jahre 2006 konnte mit der grundlegenden Neuentwicklung und Strukturierung des alten Fabrikstandortes begonnen werden. Nach seiner Teilsanierung ist hier ein attraktiver Kultur- und Gewerbehof entstanden. Neben vielen kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben haben hier die Kreismusikschule Potsdam-Mittelmark, die Tanzschule Kurrat und die Union Sozialer Einrichtungen gGmbH ihr Domizil bezogen. Die ehemalige Firma Biomalz, die mittlerweile unter dem Namen Teltomalz firmiert, produziert und vertreibt auch heute noch von hier aus Biomalz, Bonbons und Backmischungen.

Der Text wurde freundlicherweise von Dr. Alexander Ruoff, Historiker Berlin, zur Verfügung gestellt. www.history-house.de